Abschiedsfoto vor dem Platoon-Lkw: Joachim Drees (Vorstandvorsitzender MAN Truck & Bus SE), Alexander Doll (Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der DB), Dr. Dr. Tobias Miethaner ((Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur), Andy Kipping (DB Schenker), Prof. Dr. Sabine Hammer und Prof. Dr. phil. habil. Christian T. Haas (beide Hochschule Fresenius) © Hoelzl/DB
Abschiedsfoto vor dem Platoon-Lkw: Joachim Drees (Vorstandvorsitzender MAN Truck & Bus SE), Alexander Doll (Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der DB), Dr. Dr. Tobias Miethaner ((Abteilungsleiter Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur), Andy Kipping (DB Schenker), Prof. Dr. Sabine Hammer und Prof. Dr. phil. habil. Christian T. Haas (beide Hochschule Fresenius) © Hoelzl/DB

Innovative Verfahren im Landverkehr: DB Schenker hat mit seinen Partnern das erste umfassende Pilotprojekt über das Fahren im Platoon erfolgreich abgeschlossen. Fast ein Jahr lang testete der Logistiker mit MAN Truck & Bus SE und der Hochschule Fresenius das Fahren im Platoon im Betriebsalltag. Platoon nennt man ein Fahrzeug-System, bei dem Lkw auf der Autobahn mit Hilfe digitaler Fahrassistenz- und Steuersysteme hintereinanderfahren, um Kraftstoff zu sparen und den Fahrer zu entlasten. 35.000 Straßenkilometer haben die speziellen MAN-Lastwagen von DB Schenker in einem Jahr zurückgelegt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Technik funktioniert und die Erwartungen an mehr Sicherheit, mehr Nachhaltigkeit und höhere Effizienz erfüllen kann. „Mit Platooning können wir noch verlässlichere und effizientere Transporte bieten“, sagte Alexander Doll, Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der Deutschen Bahn, bei der Vorstellung der Ergebnisse im Bundesverkehrsministerium. Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus SE, ergänzte: „Das System funktioniert zuverlässig und kann die Sicherheit auf der Autobahn erhöhen. Platooning ist daher für uns ein wichtiger Schritt auf dem weiteren Weg zur Automatisierung.“

Die Fahrer akzeptieren die Technik

Neben den technischen Aspekten hatte der Pilotversuch auch eine soziale Komponente. Die Hochschule Fresenius hatte die psychosozialen und neurophysiologischen Auswirkungen auf die Fahrer untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Platoon-Fahren von professionellen Lastwagen-Fahrern weitgehend akzeptiert wird. Das Liveerlebnis hat dabei eine deutliche Veränderung in der zuvor teils kritischen Einstellung der Fahrer bewirkt. „Die Fahrer stellten sich vor dem Pilotversuch eine Reihe negativer Szenarien wie Unfälle, geringere Reaktionszeiten und andere sehr stressige Situationen vor. Tatsächlich haben sie aber beim Projekt schnell gemerkt, dass das System gut funktioniert und das Fahren entspannter macht“, sagte Prof. Dr. Sabine Hammer vom Institut für komplexe Systemforschung an der Hochschule Fresenius. „Es gab keine Situation, die sie als unkontrollierbar bezeichneten.“ Als unangenehm wurden vor allem ein- oder durchscherende Fahrzeuge anderer Verkehrsteilnehmer empfunden.

40 Prozent des Stückgutnetzwerks eignen sich für das Platooning

Nach Abschluss der Pilotphase wollen die Autohersteller und die Deutsche Bahn das Thema weiterentwickeln. Dabei kommt DB Schenker entgegen, dass etwa ein Viertel der Verbindungen im Stückgutnetzwerk mehrfach am Tag gefahren werden. Damit würden sich etwa 40 Prozent der gefahrenen Kilometer für eine Platoon-Fahrt eignen. Denkbar wäre, nun die Technologie stufenweise in den Realverkehr zu integrieren. Bevor in größerem Stil Lkw-Platoons in Deutschland fahren, müssten viele Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören beispielsweise Mautvergünstigungen für effizientere Platooning-LKW, eine Flexibilisierung der Lenk- und Ruhezeiten für Fahrer, die im Platoon fahren oder Anschubfinanzierungen zum Kauf erster Lkw. Außerdem müssen die Technologie schnell zur Serienreife vorangebracht und die Fahrzeuge entsprechende Zulassungen und Straßenfreigaben bekommen.

Die Fahrer, die für DB Schenker am Piloten teilgenommen haben, sind mittlerweile wieder in den regulären Liniendienst zurückgekehrt. „Das war wirklich eine super Erfahrung“, sagt Andy Kipping, der mehrere Monate auf der Strecke München-Nürnberg fuhr. Er würde sofort wieder in ein Platoon steigen.

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