Mit seiner trimodaler Anbindung und hochkarätigen Wirtschaftsunternehmen, die sich in der Region niedergelassen haben, ist Leipzig heute der Top-Logistikstandort im Osten Deutschlands. Doch auch die Geschichte der Stadt ist von ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung geprägt. Diese verdankt sie ihrer günstigen Lage am Schnittpunkt wichtiger Handelswege und ihrer Messe.

Leipzig im Mittelalter – zentraler europäischer Knotenpunkt

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Karte Europas mit Kennzeichnung von Via Imperii und der Via Regia
Seinen Aufstieg zum mittelalterlichen Handelszentrum verdankte Leipzig nicht zuletzt der exzellenten Lage am Schnittpunkt der Via Imperii und der Via Regia. © Maximilian Dörrbecker (Chumwa), (Lizenz: CC BY-SA 2.5)

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Erstmals erwähnt wurde Leipzig Anfang des 11 Jahrhunderts, die Stadtgründung wird allerdings erst auf das Jahr 1165 datiert. Der Markgraf von Meißen erteilte der Stadt damals das Marktrecht.

Ausschlaggebend dafür war die erstklassige Lage, denn Leipzig markierte die Kreuzung zwei der bedeutendsten Handelsrouten Europas. Die Via Regia führte quer durch den Kontinent von Ost nach West und verband Moskau, Frankfurt und Paris mit Spanien. Gehandelt würde über diese Route die Tuche Flanderns, Holz, Felle, Honig und Wachs aus dem Osten sowie Bergbauprodukte aus Obersachsen.

Außerdem lag Leipzig an der Via Imperii, die als Nord-Südachse von Stettin bis nach Italien führte. Neben Pilgerfahrten hatte auch diese Straße eine hohe Bedeutung für den Handel. So wurden 90 Prozent der Geschäfte zwischen der venezianischen Republik und dem nördlichen Europa hier vollzogen.

Universität und Messe steigern Bedeutung

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Seinen wirtschaftlichen Stellenwert im Mittelalter verdankt Leipzig neben seiner Lage auch der Etablierung der Messegegen Ende des 12. Jahrhunderts . Sie legte den Grundstein für den Leipziger Fernhandel, denn zu den Terminen im Frühjahr und Herbst zog es Händler aus ganz Europa nach Sachsen. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die Schutzprivilegien, die den Kaufmännern freies Geleit versprachen.

Einen weiteren Bedeutungsgewinn erlebte Leipzig durch die Gründung seiner Universität Anfang des 15. Jahrhunderts. Durch die „Alma Mater Lipsiensis“ hielten Bildung und Humanismus Einzug in die Stadt. Heute ist die Leipziger Universität eine der ältesten Hochschulen auf deutschem Staatsgebiet. 2009 feierte sie ihr 600-jähriges Jubiläum. Eine aktuelle logistische Besonderheit bildet der Studiengang des Verpackungsingenieurs, den Leipzig anbietet.

Fortschrittlichkeit in „klein Paris“

Das gehobene Bildungsniveau der Stadt schlug sich schon bald auf die Infrastruktur nieder. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wurden Leitungen gelegt, welche ausgewählte Gebäude und Plätze mit Wasser des Marienbrunnens versorgten. 1701 wurde „klein Paris“, wie die fortschrittliche Messestadt auch genannt wurde, außerdem mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet. Zugleich begünstigte die Intelligenzija in Leipzig die Entstehung der „Einkommenden Zeitungen“, der weltweit ersten Tageszeitung.

Und auch im 19. Jahrhundert zeigte sich die Stadt fortschrittlich. 1831 wurde die sächsische Städteordnung eingeführt, die einen demokratisch gewählten Bürgermeister etablierte. Außerdem eröffnete 1939 die erste deutsche Fernbahnstrecke, welche die Messestadt mit Dresden verband. Neben Frankfurt wurde Leipzig in dieser Zeit zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt im zentralen Deutschland.

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Leipzig wird zur Metropole

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Leipzigs rasant bis auf 700.000 an. Grund dafür war neben verschiedenen Eingemeindungen vor allem die Industrialisierung. Einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung trug die Flugzeugindustrie bei. So hatten sich mit der Allgemeinen Transportanlagen-Gesellschaft, den Mitteldeutschen Motorenwerken und dem Erla Maschinenwerk gleich drei Branchengrößen in der Messestadt niedergelassen. Etwa zur gleichen Zeit wurde Leipzig zum wichtigsten deutschen Standort des Verlagswesens.

Unterbrechung der wirtschaftlichen Entwicklung

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Bis die Stadt 1945 in die sowjetische Besatzungszone überführt wurde, erfuhr Leipzig erhebliche Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufbau verlief weniger zielstrebig als im Westen. Im Vergleich zu westdeutschen Städten verlor Leipzig an Bedeutung – ökonomisch wie auch kulturell. Trotzdem war Leipzig in der DDR einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte.

Und auch für den politischen Protest wurde Leipzig zum Zentrum. Zum Symbol dafür wurden in den 80er Jahren die Friedensgebete in der Nikolaikirche. Höhepunkt des Aufbegehrens der Bürger waren die Proteste im Rahmen des 40. Jahrestags der DDR mit mehreren hunderttausenden Demonstranten.

„Die Wende“ für Leipzig

Nach der Wiedervereinigung büßte Leipzig zunächst erheblich an Wirtschaftskraft ein. Viele Betriebe konnten sich nicht halten. Außerdem verloren Messe und Universität an internationaler Bedeutung.

Nach der Wende wandelte sich auch das Gesicht der Stadt. In den letzten 20 Jahren entstanden unzählige Neubauten und bedeutende Bauprojekte. So wurde der Hauptbahnhof umgebaut und das Museum der bildenden Künste sowie die Universität am Augustusplatz neuerrichtet.

Wirtschaftlicher Aufschwung seit 2002

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Etwa seit der Jahrtausendwende erlebt Leipzig einen wirtschaftlichen Aufschwung. Mit Porsche und BMW haben sich zwei Größen der deutschen Automobilbranche angesiedelt. In ihrem Windschatten ließen sich außerdem mehrere ihrer Zulieferer nieder.

Und auch für den Einzelhandel und die E-Commerce-Branche scheint Leipzig, ein interessantes Pflaster zu sein, denn überdurchschnittlich viele Unternehmen aus diesen Bereichen haben sich dort etabliert. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise günstigen Arbeits- und Lohnkosten, ein weiterer die schlanke Bürokratie, durch die Ansiedlungen rund um die Stadt erleichtert werden.

Top-Logistikstandort Leipzig heute

Ein wichtiger Impuls für die Entwicklung Leipzigs war außerdem der Ausbau des Flughafens von 2002. Die neue Landebahn machte den Airport zum zweitwichtigsten Luftfrachtdrehkreuz Deutschlands. Mehr als 10.000 Menschen arbeiten heute dort.

Zum Video: „in Leipzig“ zum Thema Logistik

Im Umfeld des Flughafens haben sich außerdem zahlreiche Logistikdienstleister niedergelassen. Neben dem internationalen Luftfracht-Gateway finden sie rund um Leipzig beste infrastrukturelle Bedingungen vor. So ist die Region ein bedeutender Knotenpunkt im überregionalen Schienennetz und auch die Autobahnen nahe der Stadt sind logistikfreundlich. So dienen A9 und A14 dem Landverkehr als gut ausgebaute und meist staufreie Trassen in Richtung München, Berlin und das osteuropäische Ausland. Gerade für zeitkritische Transportgüter eignet sich der Standort damit besonders gut.

Diese Vorteile weiß auch DB Schenker zu schätzen. Das Logistikunternehmen bietet in Leipzig neben klassischen Transport- und Speditionsleistungen per Luft- und Seefracht sowie Landverkehr insbesondere individuelle Logistiklösungen der Kontraktlogistik. „Gerade die Automobilbranche spielt für uns und die Stadt eine wichtige Rolle“, erklärt Alfred Endörfer, Leiter Geschäftsstelle Leipzig-Logistik: “Nicht zuletzt ihr hat Leipzig den wirtschaftlichen Aufschwung zu verdanken.“

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