Die Zukunft der Mobilität könnte so schön leise sein: Im Jahr 2030 sollen neue Fahrzeuge auf Europas Straßen nur noch von Elektromotoren angetrieben werden. Sie sorgen nicht nur für weniger Schadstoffe in der Luft, sondern auch für weniger Lärm. Und genau das ist ein Problem.
Denn weil Elektromotoren kein typisches Geräusch mehr erzeugen, können geübte Fahrer das Gefühl für Geschwindigkeit und angemessene Fahrweise verlieren. Auch andere Verkehrsteilnehmer, Fußgänger und Fahrradfahrer beispielsweise, nehmen Elektroautos im Verkehr kaum wahr und wiegen sich möglicherweise in falscher Sicherheit.

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Mit solchen Überlegungen müssen sich auch Unternehmen wie DB Schenker auseinandersetzen. Der Logistiker testet seit geraumer Zeit den Einsatz von elektrischen Fahrzeugen in städtischen Verteildiensten. „Ich betrachte den geringeren Lärm als einen wichtigen Vorteil der Elektromobilität. Aber natürlich können elektrische Fahrzeuge problematisch werden, wenn sie bei der Anfahrt oder beim Rangieren nicht mehr wahrgenommen werden“, sagt Martin Sonnenberg, der sich als Global Innovation Manager bei der Schenker AG mit elektrischen Antrieben beschäftigt. „Bei uns allerdings ist das anders: Zum einen wird der Elektro-Lkw durch Reifengeräusche und den summenden Elektromotor leicht wahrgenommen, zum anderen sind Logistiker besonders aufmerksam, was die Sicherheit im den Umgang mit Fahrzeugen betrifft.“

Verpflichtung zu mehr Lärm

Dennoch verlangt die Europäische Union von den Autoherstellern, dass sie bei Autos mit Elektrohybrid- oder reinem Elektroantrieb ab 2019 ein „akustisches Fahrzeug-Warnsystem“ einbauen. Es soll Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer durch Warntöne auf das Fahrzeug und seine Aktionen wie Bremsen oder Beschleunigen aufmerksam machen. Die Geräusche sind bis etwa 20 Stundenkilometer notwendig, bei höherem Tempo überwiegt das Rollgeräusch der Reifen.

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Solch ein Fahrgeräusch zu erzeugen, das authentisch klingt und klar zugeordnet werden kann, erfordert einigen technischen Aufwand. Bei den Autoherstellern arbeiten ganze Abteilungen von Ingenieuren daran, den Fahrzeugen den richtigen und markentypischen Klang zu geben. Dabei nutzen sie die Elektromotoren als Quelle für Vibrationen, aus denen sich die synthetischen Fahrgeräusche ableiten. Sie sollen nach außen, aber auch in den Innenraum des Wagens übertragen werden.
Sound Designer und Zulieferer der Autoindustrie setzen oft auf komplexe Lautsprechersysteme oder andere elektronische Bauteile, um den Sound des Motors aufzunehmen und in den Fahrgastraum oder auf die Straße zu lenken. Dabei greifen sie auf Komponenten zurück, die schon längt den Weg zum Kunden gefunden haben.

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Denn die klassischen Verbrennungsmotoren sind immer leistungsstärker – und leiser geworden. Deshalb werden sie schon längst akustisch unterstützt, damit sich der sportliche SUV auch entsprechend sportlich anhört. „Sound-Aktoren“ oder Motorsoundsysteme heißen solche elektronischen Systeme, die den klassischen Motor akustisch aufpeppen – und nun auch dem Elektromotor einen Klang verleihen sollen.

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