Ein unterirdisches Verkehrsnetz, in dem unbemannte Elektrofahrzeuge Waren transportieren? Klingt nach Science Fiction. Doch in der Schweiz gibt es konkrete Pläne, verstopfte Straßen durch eine Güter-U-Bahn zu entlasten.

Wachsende Warenströme fordern Ausbau der Verkehrsinfrastruktur

Die Hauptverkehrsadern in der Schweiz sind heillos verstopft. Und die Warenströme nehmen weiter zu, denn die Unternehmen und Städte der Alpenrepublik sind im Wachstum begriffen. Schon seit geraumer Zeit zerbrechen sich Städteplaner den Kopf, wie dem wachsenden Transportvolumen beizukommen sei.

Eingeklemmt zwischen Jura und den Alpen ist eine geographische Ausdehnung in der Fläche unmöglich. Nach unten wäre noch Platz. Eine zweite Verkehrsinfrastruktur, unterirdisch und vollautomatisiert, für Güter, nicht für Menschen – davon träumen Schweizer Bürger und Investoren seit drei Jahren.

Cargo sous terrain: unbemannte Vehikel in 20 bis 50 Metern Tiefe

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Vehikel des Cargo sous terrain Projekts
Die selbstfahrenden Transportvehikel sollen Platz für zwei Euro-Paletten bieten. © Förderverein Cargo sous terrain

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Die Idee für das Mammutprojekt Cargo sous terrain entstand vor vier Jahren: Tunnelröhren mit sechs Metern Durchmesser sollen ein unterirdisches Netz zwischen wichtigen logistischen Knotenpunkten bilden und so die bestehende Infrastruktur entlasten. Auf den unterirdischen Strecken in einer Tiefe von 20 bis 50 Metern verkehren unbemannte Elektrofahrzeuge auf Induktionsschienen. Ihr Fassungsvermögen soll zwei Europaletten betragen.

Die große Hoffnung des Fördervereins Cargo sous terrain, der aus mehreren Handelsriesen besteht, ist der pünktliche und uneingeschränkte Transport ihrer Waren – unbehelligt vom oberirdisch herrschenden Nachtfahrverbot. Auf der Straße sowie dem oberirdischen Schienennetz besitzt der Güterverkehr außerdem aktuell nur zweite Priorität. Durch die Infrastruktur, die allein Waren vorbehalten ist, würde der Transport in der Schweiz effizienter und verlässlicher. Das kommt insbesondere Branchen und Produkten zugute, bei denen es auf absolute Pünktlichkeit ankommt.

Doch das Projekt könnte auch Allgemeinheit und Umwelt zugute kommen. Durch die Verlegung des Warentransports unter die Erde könnte die Auslastung der Autobahnen um bis zu 20 Prozent sinken. Die Staustunden würden ebenfalls abnehmen. Außerdem würde der durch den Landverkehr verursachte CO2 Ausstoß zurückgehen.

Erster Streckenabschnitt bis 2030

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Geplantes Streckennetz des Projekts Cargo sous terrain
Nach der Fertigstellung soll das Streckennetz von Cargo sou terrain die wichtigsten Schweizer Wirtschaftsstandorte von Genf bis St. Gallen verbinden. Der erste Streckenabschnitt wird zwischen Härtungen / Niederbipp und Zürich verlaufen. © Förderverein Cargo sous terrain

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Während der Förderverein, zu dem Handelsriesen wie Coop, Migros und Manor gehören, Investoren und Interessenten für den späteren Betrieb sucht, laufen schon die Vorbereitungen für den Bau des ersten Streckenabschnitts.

Geplant ist zunächst ein 67 km langer Streckenabschnitt durch das Mittelland, einer Region, die als wichtigstes Wirtschaftszentrum der Schweiz gilt. Der finanzielle Aufwand für dieses Teilstück zwischen Zürich und den Logistikzentren Härkingen / Niederbipp ist mit 3,55 Milliarden Schweizer Franken veranschlagt.

Erfolg für Cargo sous terrain: Bundesrat erklärt Unterstützung

Aktuell ist das Projekt ein Thema für den Bundesrat. In einer Prüfung kam er zu dem Schluss, dass das Projekt einen „positiven allgemeinen Nutzen“ habe und deshalb gefördert werden soll. Geplant ist demnach ein Spezialgesetz, welches die bürokratischen Hürden des Projekts beseitigen und Planungs- sowie Bewilligungsphase vorantreiben würde.

[selectivetweet]Futuristisches Milliardenprojekt in der Schweiz: Warentransporte via unterirdische Tunnel.[/selectivetweet]

Nachdem Cargo sous terrain inzwischen namhaften Support aus der Wirtschaft gefunden hat, wird die Unterstützung des Bundesrats als ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Planungsweg gewertet. Die Realisierung des außergewöhnlichen Projekts rückt somit immer näher.

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Logistik Aktuell