Die Corona-Pandemie hat die Luftfracht mächtig durcheinander gewirbelt: Sinkende Kapazitäten, hoher Zeitdruck und neue, sichere Arbeitsformen setzen die Logistikbranche unter Druck. © DB Schenker / Michael Neuhaus
Die Corona-Pandemie hat die Luftfracht mächtig durcheinander gewirbelt: Sinkende Kapazitäten, hoher Zeitdruck und neue, sichere Arbeitsformen setzen die Logistikbranche unter Druck. © DB Schenker / Michael Neuhaus

Am Himmel ist es ruhiger geworden in den vergangenen Monaten. Kein Wunder, denn die Corona-Pandemie hat die Logistikbranche mächtig durcheinandergewirbelt. Weil die Menschen in den ersten Wochen der Pandemie nicht mehr mit dem Flugzeug reisen durften, ist auch die Luftfracht massiv gestört worden. Ein Teil der Güter, die mit dem Flugzeug zwischen Städten, Ländern und Kontinenten hin und her transportiert werden, fliegen im Bauch von Passagiermaschinen mit. Fallen diese so genannten Belly-Cargo-Kapazitäten aus, bleibt Fracht liegen oder muss neu disponiert werden.

So wie in diesen Zeiten: „Die Corona-Pandemie hat uns vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Unter hohem Zeitdruck mussten wir ständig neue Lösungen für unsere Kunden finden“, sagt Nouri Boulahrouz, Head of JETcargo Import bei DB Schenker am Frankfurter Flughafen.

Schnell handlungsfähig werden

Die Kapazitäten in der Luftfracht sanken in den ersten Wochen der Pandemie weltweit um bis zu 42 Prozent, wie das deutsche Bundesamt für Güterverkehr in seiner Marktbeobachtung ermittelt hat. Die Folge: Das Transportvolumen brach ein und die Abfertigungszeiten für die ankommenden Güter wurden immer kürzer. Fracht, die nicht mehr transportiert werden konnte, blieb liegen. Cargo Handling Agenten, die sich im operativen Alltag um die Fracht kümmern, konnten neue Sendungen nicht mehr annehmen. Logistikdienstleister wie DB Schenker mussten schnell handeln. „Da haben wir nach Lösungen gesucht, neue Ressourcen geschaffen, umdisponiert und sind schnell handlungsfähig geworden“, sagt Boulahrouz. „Das war extrem anstrengend, weil wir wussten, dass die Fracht dringend gebraucht wird.“

Weil Kapazitäten in den herkömmlichen Passagiermaschinen fehlten, bauten Airlines und Logistiker die stillgelegten Jets einfach zu Frachtmaschinen um. Oder sie kombinieren verschiedene Verkehrsträger miteinander, um den Anteil der Luftfracht bei dringenden Transporten zu verringern.

Hoher Zeitdruck

Die wenigen Maschinen, die anfangs landeten und starteten, brachten meist medizinische Güter: Schutzmasken, Schutzbekleidung, Medikamente und Tests aus Asien – oder ganz einfach Lebensmittel. Gerade bei den medizinisch notwendigen Gütern sind die zeitlichen Anforderungen dramatisch hoch: Bei einer Maschine aus Schanghai im April beispielsweise waren Schutzmasken für eine Kinderkrebsklinik in Polen an Bord. „Das hatte für uns dann oberste Priorität!“, sagt Boulahrouz. Alle Mitarbeitenden am Flughafen legten sich ins Zeug und beschleunigten die Sendung. „Wir konnten so die Fracht in fünf Stunden für den Weitertransport nach Polen bereitstellen – im Normalfall ist das eigentlich nur sehr schwer möglich“, so der Logistiker.

Schutz der Mitarbeitenden

Hinzu kam: DB Schenker musste auch seine Prozesse umstellen. Der Schutz der 30 Mitarbeitenden in der Abteilung geht vor. Die meisten erledigten die ersten Wochen von Zuhause heraus ihren Job: mit 32 Airfreight-Geschäftsstellen in Deutschland kooperieren. Ungewohnte Arbeitsbedingungen in einer Branche, die vom direkten menschlichen Kontakt lebt. „Wir haben definitiv dazugelernt“, sagt Boulahrouz. „Vieles, von dem wir glaubten, dass es nicht geht, ging doch.“

Mittlerweile entspannt sich die Situation in der Branche. Die Zahl der Linienflüge hat wieder zugenommen. Medizinische Schutzausrüstung wird heute mit dem Schiff transportiert, weil der erste Bedarf gedeckt ist. Auch die Nachfrage nach Luftfracht steigt wieder: Die großen Textil-Kunden beispielsweise bringen Bekleidung in die Luft, um die Ware pünktlich zur Saison in den Geschäften zu haben.

Einschränkungen dauern an

Doch noch sind nicht so viele Flugzeuge verfügbar wie nötig. Das heißt, Luftfracht zu bestimmten Zielen in Brasilien und Nordamerika ist immer noch schwierig.

„Wir hatten hier am Flughafen in Frankfurt schon viele anstrengende Situationen“, sagt Boulahrouz, der seit 20 Jahren bei DB Schenker in der Luftfracht tätig ist. Der Vulkan-Ausbruch in Island 2010 zum Beispiel, als die Aschewolken den gesamten Flugverkehr über Europa lahmlegten. Oder der November 2017: Da konnte der Flughafen aufgrund von Streiks das Luftfrachtaufkommen nicht mehr bewältigen. Kurzfristige Einbrüche in einer reibungslos funktionierenden Transportkette. „Heute ist das anders“, stellt der Logistiker fest. „Wir rechnen damit, dass uns die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie noch länger begleiten werden. Aber das schaffen wir auch, weil wir ein gutes Team sind und dank unserer Vielzahl an Partnern auch in Ausnahmesituationen Lösungen finden können!“

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