Hafen Koper © Port Koper
Fahrzeuge warten im Hafen Koper auf ihre Verladung © Port Koper

Wer Asien im Blick hat – und welche Industrie in West- und Nordeuropa hat das nicht? , der kann nur feststellen: Die Adriaküste ist geografisch ausgesprochen günstig gelegen. Nur drei Tage sind es mit dem Schiff bis zum Suezkanal. Das verkürzt Ostasien-Verkehre aus dem Ruhrgebiet um rund sieben Tage. Dieser Vorteil kurzer Wege überzeugt immer mehr Verlader.

Geplanter Erfolg

So ist der slowenische Hafen Koper zu einem Musterbeispiel für wirtschaftspolitischen Erfolg geworden. Gerade einmal 60 Jahre jung ist die Anlage, die das ehemalige Jugoslawien in Konkurrenz zum knapp 30 Kilometer westlich gelegenen Triest errichtete. 2016 wurden in Koper 0,8 Mio. TEU-Container umgeschlagen und 749.000 Autos exportiert. Auch dank Daimler: Der Autokonzern hat in Slowenien eine neue Drehscheibe für Neufahrzeuge für den Asien-Export eingerichtet. Nun setzt Koper weiter auf Wachstum. Gerade erst hat der Hafen zwei Super-Post-Panamax-Brücken errichtet, um auch 20.000-TEU-Frachter entladen zu können.

Triest wiederum – gut dreihundert Jahre alt – hat zwar das traditionsreiche Venedig beim Umschlag verdrängt, steht aber in mächtiger Konkurrenz zum slowenischen Nachbarn Koper – und zu den nordeuropäischen Häfen. Heute setzt der norditalienische Hafen auf eine bessere Anbindung ans Hinterland, das sich im Alpenraum bis nach Süddeutschland erstreckt. Auch Triest hat Anfang des Jahres einen fulminanten Auftakt hingelegt: allein beim Containerumschlag 14 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016. Dennoch spielen Container mit 5,4 Mio. Tonnen angesichts von 41,7 Mio. Tonnen Rohöl kaum eine Rolle.

Knappe Kapazitäten

Nun aber kommt erneut Bewegung in den Kampf um Marktanteile. Zum einen durch ein Phänomen, unter dem Verlader und Spediteure leiden: Die Laderaumknappheit in den Nordseehäfen. Weil Kapazitäten nach Asien und Amerika für kurzfristige Transporte knapp geworden sind, routen einige Spediteure und Verlader bereits verstärkt über Triest und Koper.

Hinzu kommt eine gute und schnelle Zuganbindung der südeuropäischen Häfen. „Triest zum Beispiel ist durch die guten Zugverbindungen nach Europa attraktiv“, erläutert Tina Kruse, Head of Seafreight bei Schenker Deutschland. „Aufgrund der etwas höheren Transportkosten sind diese Routen allerdings vor allem für solche Produkte interessant, die schnell auf den Markt kommen müssen. Nicht alle Waren vertragen einen höheren Transportpreis.“

Deshalb wollen die Häfen an der Adria die Schienenanbindung verbessern. Slowenien hat jüngst den Ausbau der bisher eingleisigen Strecke zum Hafen Koper beschlossen. Triest wiederum will die baltisch-adriatische Achse Danzig-Österreich-Triest mit EU-Unterstützung stärken. Ein wichtiger Punkt ist der Semmering-Basistunnel:
Sollte der wie geplant in neun Jahren fertig gestellt werden, wäre ein wichtiges Nadelöhr zwischen Süd und Nord erweitert.

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