Eine kleine Gruppe von Studenten der Technischen Universität München baut mit an der Mobilität von morgen: Beim Wettbewerb um ein Konzept für die Hochgeschwindigkeitsrohrpost Hyperloop gewannen die Münchener den Hauptpreis für die schnellste Kapsel und wurden für die beste „Performance in Flight“ ausgezeichnet. Nun rechnen sie sich weitere Chancen aus, erläutert der 21-Jährige Gabriele Semino von der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) an der TU.

Herr Semino, alle Welt redet vom Hyperloop, mit dem Elon Musk den Personenverkehr beschleunigen will. Mit 1.200 km/h in einer halben Stunde von München nach Berlin – ist das machbar?

Für Menschen sind 1200 km/h sehr schnell. Das wird keine gemütliche Reise, solange die notwendige Technologie nicht ausgereift genug ist. Deshalb wird es erst einmal für Cargo versucht. Dabei kommt es auf das Konzept an: Entweder eine große Kapsel für viele Paletten beispielsweise. Ich kann mir vorstellen, dass man eine kleine Kapsel mit entsprechend geringerer Kapazität nach der anderen schicken könnte. Die Technologie ist relativ neu, derzeit gibt es unterschiedliche Konzepte. Ideen, ähnlich zum Hyperloop, gab es ja schon im vergangenen Jahrhundert. 2013 hat Elon Musk das Thema als technologisch machbar erneut publik gemacht.

Den Hauptpreis zu gewinnen ist eine tolle Sache. Wie lief denn der Wettbewerb ab?

Das Unternehmen SpaceX, das Musk gehört, hat in Hawthorne in Kalifornien eine 1,25 Kilometer lange Röhre gebaut, die für erste Tests zur Verfügung steht. Anschließend wurden beim Wettbewerb Teams ausgesiebt, bis zum Schluss 30 Gruppen übrigblieben, die eine Kapsel, ein „Pod“, präsentierten. Drei Pods durften schließlich in der Röhre starten – unser Gefährt war das einzige, das die Röhre bis zum Ende durchfuhr.
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Was zeichnete Ihr Design aus?

Vor allem der markante Kompressor. In einer Vakuum-Röhre herrscht kaum Luftwiderstand, dennoch schiebt die Kapsel bei hohen Geschwindigkeiten eine Luftsäule vor sich her. Die große Turbine vorne zieht die Luft durch den Pod und drückt sie nach hinten heraus.

Nun gibt es eine zweite Runde?

SpaceX hat einen zweiten Wettbewerb gestartet. Diesmal geht es weniger um das Konzept und das Design, sondern eher ums Tempo. Wir von der TUM sind wieder dabei, teilweise mit den gleichen Leuten. In dieser Runde wollen wir eine deutlich leichtere Kapsel bauen, die entsprechend höhere Geschwindigkeiten erreichen kann. Wie unser Pod genau aussehen wird, verraten wir aber erst im August.
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Hyperloop-Teströhre in Kalifornien © WARR Hyerloop
Beton, Aluminium, Stahl und Vakuum – das sind die Bestandteile der Hyperloop-Teströhre in Kalifornien © WARR Hyerloop

Besprechung zum Design © WARR Hyerloop
Besprechung: Die Studenten diskutieren den Pos-Entwurf am Rechner © WARR Hyerloop

Große Party nach dem Wettbewerbs © WARR Hyerloop
Große Party: Die Münchner Kapsel war die einzige, die die Röhre vollständig durchquerte © WARR Hyerloop

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Was ist denn die große Herausforderung bei diesem Projekt?

Technisch ist der Hyperloop zwar machbar, doch dafür müssen neuartige Systeme entwickelt werden. Jedes Team baut sein eigenes System, was dann beim Wettbewerb getestet wird. Aber auch das Tempo des Wettbewerbs ist hoch. Das Team der ersten Runde hatte anderthalb Jahre Zeit vom Start bis zum Test in Amerika. In der zweiten Runde versuchen wir es in weniger als einem Jahr umzusetzen.
Es kommt also nicht nur auf die Technik an, sondern auch auf die Projektorganisation. Darüber hinaus ist eine solche Kapsel zu bauen auch teuer. Wir werden zwar von der Uni unterstützt, sind aber immer auf der Suche nach Sponsoren, die ein solches Projekt möglich machen wollen.

Was ist Ihr Job in der zweiten Runde?

Die meisten Studenten im Team sind Maschinenbauer, ich bin Physiker. Am Anfang war meine Rolle die Simulation des Magnetschwebesystems – mit der komplizierten Physik eines solchen Systems kennen sich Physiker eher als Ingenieure aus. Aber inzwischen bin ich als Teamleiter vor allem für die Organisation und das Projektmanagement zuständig. Es ist einfach, Leute für das Projekt zu begeistern. Aber es ist schwierig, Studenten zu finden, die die notwendige Zeit dafür haben.
[selectivetweet float=“left“]#Hyperloop: SpaceX geht in die 2. Runde – wir drücken den #TUM-Studenten die Daumen[/selectivetweet]

Wie kam die Kapsel eigentlich in die USA?

Mit dem Flugzeug, weil solange wie möglich noch daran gearbeitet wurde. Batterien und Magneten durften allerdings nicht fliegen, sondern wurden sechs Wochen vorher mit dem Schiff nach Los Angeles gebracht. Zurück geht’s nun mit dem Schiff, dann steht der Pod am Eingang der Fakultät.

Herr Semino, wir drücken Ihnen die Daumen!

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Rohrpost in die Zukunft
Hyperloop ist ein Konzept für ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem, das wie bei der Rohrpost Transportkapseln mit bis zu 1200 km/h durch eine Röhre befördert, in der ein Teilvakuum herrscht. Angetrieben werden die Kapseln durch Solarenergie.
Hinter Hyperloop steht der Unternehmer Elon Musk, der durch sein Raumfahrtunternehmen SpaceX und den Elektroautohersteller Tesla bekannt geworden ist.

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