Unangefochten dominiert der Diesel heute die Transportbranche: Er deckt hier schätzungsweise mehr als 95 Prozent des Kraftstoffbedarfs. Aber seine Vorherrschaft geht dem Ende entgegen – zumindest im Stadtverkehr. Denn immer mehr Städte planen, die als schmutzig verschrienen Selbstzünder von ihren Straßen zu verbannen. Darum könnte bald die Stunde der elektrischen Antriebe in der Logistik schlagen.

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Allerdings sind vor allem die geringe Reichweite und die hohen Ladezeiten batteriebetriebener Fahrzeuge heute ein Problem. Als Alternative bietet sich hier der Antrieb mit Brennstoffzellen an: Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff aus der Luft, wobei Strom und – als einziges Abfallprodukt – Wasser entstehen. Das ist nicht nur eine saubere Sache – Fahrzeuge mit Brennstoffzellen haben zudem eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern und lassen sich in einigen Minuten volltanken.

Ideal für den Einsatz in der Stadt

„Für die Stadtlogistik sind Brennstoffzellen eine interessante Option, weil sie völlig emissionsfrei sind – damit auch keine Stickoxid- oder Feinstaub-Emissionen verursachen“, sagt Professor Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, wo man sich schon seit Jahrzehnten mit dieser Technologie beschäftigt. „Außerdem haben sie eine hohe Leistung, sind schnell betankt und dadurch sehr flexibel – immerhin sind die LKW oft rund um die Uhr unterwegs.“

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Auch die Zuverlässigkeit der Brennstoffzellen sei gut genug für den permanenten Einsatz in der Logistik. Teilweise ließen sie sich sogar unverändert aus PKW übernehmen, etwa für kleinere Zustellfahrzeuge. Größere LKWs könnten die Hersteller einfach mit zwei Brennstoffzellen aus dem PKW-Bereich bestücken. Wichtig sei allerdings, eine spezielle Betriebsstrategie für die Energielieferanten zu entwickeln: „Eine leistungsstarke Batterie sorgt dafür, dass die Brennstoffzelle im optimalen Betriebspunkt betrieben wird und gleichzeitig der Fahrer die volle Dynamik erlebt“, so Tillmetz. „Wenn man das richtig abstimmt, kann eine Brennstoffzelle viele hunderttausend Kilometer halten.“

Kaum Wasserstofftankstellen in Deutschland

Ein Problem ist bisher die noch geringe Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland, von denen es derzeit gerade mal 34 gibt. „Mindestens 400 sind mittelfristig nötig, damit sich die Technik für den breiten Einsatz durchsetzen kann. Für regionale Fahrzeugdepots ist die Installation einer Wasserstofftankstelle ausreichend und kein Hexenwerk“, so Tillmetz. „Auch die Preise von Brennstoffzellenfahrzeugen sind noch relativ hoch, was aber vor allem an den geringen Stückzahlen liegt – 2016 wurden allerdings schon die ersten 5.000 Fahrzeuge verkauft.“

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Die LKW-Hersteller beschäftigen sich mit der neuen Technik. „Wir sehen uns alle alternativen Antriebe an, haben derzeit aber keinen Prototypen mit Brennstoffzellenantrieb“, heißt es bei Daimler Trucks.
Bei Daimler Trucks liegt der Fokus derzeit auf dem „Urban eTruck“, einem vollelektrischen LKW mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 26 Tonnen. Renault Trucks hat in der Stadt Dole gemeinsam mit der französischen Post den Kleinlaster „Maxity Électrique“ mit Brennstoffzelle getestet. „Er kann innerhalb weniger Minuten aufgeladen werden, was dem Betreiber des Fahrzeugs eine weitere Schicht oder eine weitere Fahrt mit dem LKW ermöglicht“, berichtet der Hersteller. „Die Technologie ist soweit, in den Markt eingeführt werden zu können.“ Wann es letztlich soweit sein wird, kann derzeit aber noch niemand sagen.

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Nachhaltige Bahntechnik?
Schon lange setzen Eisenbahnen Brennstoffzellen ein: In Japan ist seit 2003 der so genannte New Energy Train im Einsatz, in den USA startete 2009 der Probebetrieb einer Rangierlok mit Brennstoffzellenbetrieb.

Nun könnte die Technik auch auf Deutschlands Netz zum Einsatz kommen: Rund 40 Prozent des deutschen Schienennetzes sind nicht elektrifiziert – und damit für E-Loks, die mit nachhaltigem Strom fahren, nicht erreichbar.

In Niedersachsen sollen schon ab Ende 2017 die weltweit ersten mit Brennstoffzellen ausgerüsteten Regionalzüge fahren. Die von Alstom gebauten Züge werden von Wasserstoff-Brennstoffzellen mit Strom versorgt, geben lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab und sollen besonders leise sein.

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