Wie werden wir arbeiten in der Logistik 4.0? © magele-picture / Fotolia.com
Wie werden wir arbeiten in der Logistik 4.0? © magele-picture / Fotolia.com

Transport und Logistik sind das strukturelle Netzwerk der Wirtschaft und bekommen deswegen wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen immer direkt zu spüren. Mit der Digitalisierung ist das nicht anders. Daraus ergeben sich auch ganz konkrete Änderungen für die Arbeit der Logistiker. Denn vieles kann auf lange Sicht automatisiert werden, aber es entstehen auch ganz neue Aufgaben und Berufsbilder. Vom Data Scientist bis zum Roboterkoordinator ist vieles in Zukunft möglich. Doch wie verändert sich die Arbeitsweise heute bereits?

Linda Afsaoui, Leiterin Personalmarketing der Schenker Deutschland AG meint dazu: „Die Berufsbilder verändern sich im Zeitalter der Digitalisierung kontinuierlich mit. Alles wird digitaler, vielleicht sogar ganz besonders in der Logistik. Das fängt beispielsweise im Lager an, wo die Mitarbeiter nicht mehr Laufzettel benutzen, sondern mit digitalen Handhelds ausgestattet sind. Generell nimmt die Benutzung digitaler Werkzeuge stark zu. Das kann man über alle Hierarchie-Ebenen hinweg beobachten, vom Azubi bis zur erfahrenen Führungskraft.“

Die Veränderungen im Arbeitsleben spiegeln letztlich nur das, was wir auch aus dem Privatleben kennen: Kommunikation, Einkauf, Fernsehabend, Autobedienung, … alles wird digitaler. Wer sich darauf einlässt, lernt ganz nebenbei mit den Möglichkeiten der Digitalisierung umzugehen, auch am Arbeitsplatz.

Und noch eine weitere gute Nachricht gibt es: Gehören Sie zu den mittelalten Arbeitnehmern zwischen 31-55 Jahren? Von denen empfinden nämlich ganze 81 Prozent keinen zusätzlichen Stress durch die Digitalisierung. Damit können sie besser mit der Digitalisierung umgehen als die jüngeren Kollegen: Von denen empfinden „nur“ 59 Prozent nicht mehr Stress und auch bei den älteren Kollegen über 55 Jahre sind 56 Prozent nicht gestresster durch die Digitalisierung. Zumindest bildet das den Stand von Oktober 2015 ab, wie die Bundesvereinigung Logistik in einer Befragung herausfand. Wer die digitalen Arbeitstechniken beherrscht, aber auch noch ganz analog entspannen kann, hat manchem jungen Kollegen eine Menge voraus.

Die Digitalisierung bietet bei weitem mehr Chancen für das Arbeitsleben als neue Herausforderungen. Beispielsweise das Digital Office, was Familie und Beruf besser vereinbaren lässt. Oder das Digital Learning zur effektiven beruflichen Weiterbildung. Das sind alles digitale Errungenschaften, die die Arbeit selbstbestimmter machen. Und Arbeitnehmer, die auch noch vordigitale Zeiten kennen gelernt haben, wissen solche Neuerungen meist viel mehr zu schätzen.

Der Berufsschule voraus

In Umbruchzeiten hinken die Berufsschulen hinterher. Den konkreten Umgang mit digitaler Technik zu lehren, setzt voraus dass das Equipment auf dem neuesten Stand der Technik ist. Um hier nachzusteuern sind die Logistik-Unternehmen am Zug.

Dazu Linda Afsaoui: „Wir bei DB Schenker sehen einen großen Bedarf, den Umgang mit digitaler Technik auch schon auf Ausbildungsebene stark zu verankern. Denn die Berufsschulen können heute den digitalen Fortschritt leider noch nicht richtig im Lehrplan abdecken. Logistik-Unternehmen sind hier stark gefordert, durch innerbetrieblichen Unterricht die Auszubildenden auf die tatsächliche Arbeit vorzubereiten, gerade auch, was die digitalen Workflows und Arbeitstechniken angeht. Diesen Anspruch hat DB Schenker, und das setzen wir im innerbetrieblichen Unterricht erfolgreich um.“

Agil werden: Die Nerds machen es vor

Derzeit ändern sich die allgemeinen Workflows und die Organisation der Arbeit innerhalb der angestammten Berufsbilder. Der Lagerist arbeitet mit mehr digitaler Unterstützung, aber er arbeitet noch als Lagerist. Ebenso der Disponent. Mit digitaler Unterstützung bewältigen sie das Vielfache von dem, was sich vor 10 Jahren in der gleichen Arbeitszeit wegarbeiten lies. Das ist gut so, denn es hat sich ein erheblicher Fachkräftemangel in der Logistik angestaut.

Wie sehen die neuen digitalen Workflows aus? Was verändert sich in der Arbeitsorganisation? Wie arbeiten wir digital zusammen? Wie wird man agil? Solche Fragen beantworten am besten immer die, die direkt an der Digitalisierung dran sind: die Techies und Nerds. Um Antworten zu bekommen, muss man aber gar nicht im Silicon Valley vorbeischauen, es reicht im DB Konzern die Techniker zu fragen: DBSystel macht es vor, wie Digitale Transformation auch in der Arbeitswelt ankommt. Die seit zwei Jahren sich vollziehende Neuausrichtung der DB-Schwester ist so erfolgreich, dass sich mittlerweile Personal-Manager anderer deutscher Konzerne dort die Klinke in die Hand geben, um etwas über Agilität zu lernen. Christa Koenen, Vorsitzende der Geschäftsführung DB Systel GmbH, gibt ein Videointerview zum Thema Umstellung eines traditionellen Unternehmens auf agile Strukturen im IT-Gipfelblog des Hasso-Plattner-Instituts.

Zukünftige Berufe?

In Zukunft werden sich aber nicht nur die Workflows ändern, sondern die Berufe selbst. Dann könnte aus dem Lageristen ein Roboterkoordinator werden. Er lässt die Roboter für sich arbeiten, überwacht sie, muss auf Störungen und Fehlersignale reagieren. Mit einer ausreichend technischen Ausbildung führt er sogar Wartungen durch und repariert oder ersetzt defekte Roboter.

Der Beruf des Disponenten könnte sich zum Data Scientist entwickeln. Hier geht es um das Extrahieren von unerwartetem, wertvollem Wissen aus großen Datenmengen. Ein solcher Datenwissenschaftler durchsucht und verknüpft beispielsweise die Datenbestände, die mittels Enterprise Resource Planning Systemen, wie zum Beispiel von SAP oder Oracle, bereitgestellt werden. Dadurch schürft er in den Datenbeständen nach wertvollem Wissen, er betreibt Data Mining. Bis solche Berufe in den Unternehmen fest verankert sind, ist es aber noch ein Stück. Die Digitalisierung ebnet uns den Weg dahin.

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